Pünktlich wie die Uhr versammelte sich die Reisegesellschaft des Kath. Männerverein Maria-Hilf am 10. September 2026 um 07.15 Uhr vor dem Pfarrzentrum Maria-Hilf zum Herbstausflug auf die Schynige Platte. Florian, unser junger, tüchtiger Buschauffeur, startete programmgemäss mit seinen 41 Reisenden Richtung Luzern und Brünigpass, wo wir im Hotel Restaurant Kaiserstuhl am Lungernsee den ersten «Gipfeli-und-Kaffee-Halt» machten. Trotz des etwas bedeckten Wetters war die Aussicht auf den tiefblaugrünen Lungernsee und die umliegende Bergwelt ein Traum. Eine kurze Ruhe- und Entspannungspause tat gut und liess uns vom Alltag abschalten.
Wie immer auf unseren Tagesreisen waren wir auch diesmal wieder eine sehr aufgeweckte, vielseitig interessierte und lustige Gruppe. Es wurde nicht nur kräftig diskutiert; zur Abwechslung machte auch ein Duo mit einem Lied und einem Jodel auf sich aufmerksam. Es erinnerte uns an unsere früheren Schulreisen, an die Zeit, als wir im Zug und auf Bergwanderungen ein langes Repertoire an Volksliedern in die Natur hinaustrillerten.
In Wilderswil angekommen, setzten wir unsere Fahrt mit der historischen Zahnradbahn auf die Schynige Platte fort. «… Da kommt die liebe Sonne wieder, da kommt sie wieder her …» Diesen Gedanken mussten wir allerdings schnell auf die Warteliste setzen – die Sonne hatte Verspätung.
Unsere Gruppe wurde zügig und pünktlich von einem Bahnangestellten zu den reservierten Wagen der Zahnradbahn begleitet. Dabei erfuhren wir, dass es auf der gesamten Strecke keine elektronischen Signale gibt. Die Züge werden vom Bahnhofvorstand persönlich auf die Strecke geschickt und alle Weichen von Hand bedient. Echte Handarbeit! Auch waren wir keine «Herrenreisenden» wie vor 1893, die auf Maultieren oder in hölzernen Tragsesseln (Sänften) von kräftigen einheimischen Bauern aus Wilderswil oder Interlaken die steilen Hänge hinaufbefördert wurden.
Unsere Augen essen nicht nur mit – sie sehen auch die kleinsten und grössten Wunder dieser Welt. Wir durchquerten verschiedene Höhenstufen, weshalb sich die Baumarten vom Tal bis zur Waldgrenze immer wieder veränderten: Laubbäume, Fichten, Weisstannen, Lärchen und Arven sowie kleinere Bäume und Sträucher am Waldrand mit leuchtend roten Mehl- und Vogelbeeren. Nach einem Aufstieg von rund 1’800 Metern war die Waldgrenze erreicht und machte den weiten Alpweiden und den berühmten Alpenblumen Platz. Und wo war die liebe Sonne? Nach der langen Hitze entschloss sie sich ausgerechnet an diesem Tag, das Zepter einmal ihrem Freund, dem Nebel, zu übergeben. Dieser machte nach einer langen Ruhepause tüchtig Überstunden und verdeckte das berühmte, prachtvolle Alpenpanorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Dem Nebel zum Trotz genossen wir im Panoramarestaurant ein gemütliches Mittagessen. Zusammen mit einem guten Rot- und Weisswein war unsere Stimmung ausgezeichnet. Anschliessend blieb noch Zeit zum Verweilen – eben im Nebel verhüllt.
Anstatt den Alpengarten zu besuchen, fotografierten einige von uns kurzerhand das Blumenplakat oder das Bild von Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein goldiger Humor! Eine unverhoffte Überraschung erlebte eine kleine Gruppe von uns, als zwei einheimische Alphornspieler das wunderschöne, alte Lied «Kein schöner Land in dieser Zeit» aus dem Jahr 1840 spielten:
«Kein schöner Land in dieser Zeit als hier das unsre weit und breit, wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit …»
Eine innige, wunderbare Melodie, die uns zum Summen und Singen aufmunterte.
Um 15.00 Uhr sassen wir wieder sehr zufrieden und in bester kameradschaftlicher Stimmung auf unseren Sitzplätzen in der Zahnradbahn zurück nach Wilderswil. Natürlich freuten wir uns auf unseren Chauffeur Florian, der sogar die Heizung im Bus ein wenig eingeschaltet hatte. Kleine Aufmerksamkeiten mit grosser Wirkung.
Zurück im Restaurant Kaiserstuhl durften wir in der warmen «Stube» ganz nach Wunsch noch ein Getränk bestellen, was sicherlich zu einem perfekten und wunderschönen Tag beitrug.
Ohne Unfall und mit grosser Dankbarkeit dafür, dass wir diesen Tag mit so vielen guten Kameraden verbringen durften, machten wir uns schliesslich auf den Heimweg – zurück in unsere eigene warme Stube.
«Jetzt, Brüder, eine gute Nacht, der Herr im Himmel wacht. In seiner Güten, uns zu behüten, ist er bedacht …»
(Vierte Strophe von «Kein schöner Land»)
Helen Werren








